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Unternehmerische Verantwortung – Wahl oder Pflicht?

Als ich vor 22 Jahren meine Lehre zur Industriekauffrau begann, hörte ich in der Berufsschule zum ersten Mal vom Thema „Unternehmerische Verantwortung“. Ich lernte damals, dass man als Unternehmer natürlich eine Verantwortung seinen Mitarbeitern gegenüber hat, aber darüber hinaus auch noch für die Gesellschaft und die Umwelt. Das gefiel mir sehr! Ich als langjährige Klassen- und Schülersprecherin, die sich immer mit Herz für alle einsetzte, fand das natürlich richtig gut. 

Ich hatte das große Glück in einem mittelständischen, fränkischen Familienbetrieb zu lernen, dem es sehr gut ging und dessen Inhaber die soziale oder unternehmerische Verantwortung sehr genau nahm.  Das hat mich so sehr überzeugt, dass ich mich voll und ganz mit dem Unternehmen identifizierte und ja, man könnte sagen, ein Teil davon geworden war. Ich arbeitete fleißig und ausdauernd. Früh oft die erste und abends die letzte. Ich wollte meinen Beitrag leisten und ein vollwertiges Mitglied sein – dafür tat ich viel.

Nach einigen Jahren, in denen ich immer alles gegeben hatte, kam meine wunderbare Tochter zur Welt und ich wurde durch die Geburt leider, wegen eines Ärztefehlers, sehr krank. Aber das wusste damals keiner, auch ich nicht. Mein Umfeld und ich bemerkten rasch, dass etwas mit mir nicht mehr stimmte – ich war oft müde und auch sehr Infekt anfällig, aber die Ärzte fanden einfach nichts und obwohl es mir in dieser Zeit mehr schlecht als gut ging, ließ ich mich nicht unterkriegen und versuchte weiterhin stets mein Bestes zu geben, zwar nur noch in Teilzeit, aber immerhin.

Doch plötzlich hatte sich der Wind gedreht. Das Unternehmen war deutlich gewachsen, man kannte einander nicht mehr so wie früher und so kam es, wie es wohl kommen musste – ich wurde gekündigt – nach 14 Jahren, in denen ich alles für diese Firma gegeben hatte. Die unternehmerische Verantwortung galt schon noch, aber nicht mehr für mich. Man hat nicht gefragt, was ist mit ihr? Ich war ihnen einfach zu oft krank, aber das war natürlich kein gültiger Kündigungsgrund. Also hat man mir an einem Tag einfach 2 Abmahnungen untergeschoben und dann aus einem anderen Grund gekündigt.

Heute bin ich dankbar dafür, denn nur so konnte ich meinen Weg finden und gehen. Aber damals zerbrach meine Welt und ich fiel ins Bodenlose.  Ich habe natürlich geklagt und hätte zurückgekonnt, aber das wollte ich nicht mehr – grundsätzlich nicht und dann war ich mittlerweile so schwer krank, dass nichts mehr ging. Dieses Unrecht hat mich zermürbt und irgendwie auch zerstört. Es folgte ein sehr langer Krankenhausaufenthalt, bei dem ich zweimal fast gestorben wäre. In letzter Sekunde fand man zum Glück endlich heraus, an welcher Krankheit ich seit Jahren schon litt und ich konnte so gerettet werden. Trotz meiner großen Dankbarkeit für mein Überleben, denke ich heute noch manchmal daran zurück – es tut nicht mehr so weh wie früher, aber es tut immer noch weh.

Damals habe ich mir geschworen, dass ich in meinem Leben immer lieber drei Mal hinschaue, bevor ich auch nur eine Person so behandle, wie es mir passiert ist und daran habe ich mich immer gehalten – bis heute.

Das ist einer der Hauptgründe warum ich jetzt bei Wundermensch mitarbeite – auch wenn mir damals großes Unrecht angetan wurde, so ist es für mich, nach wie vor, selbstverständlich, dass man immer auch mit Herz dabei und sozial ist, dass man gibt und Menschen, die in Not geraten sind, unterstützt. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtiger denn je und jeder kleine Beitrag hilft, diese Welt zu einem besseren und menschlicheren Ort zu machen. Denn nicht nur Unternehmer haben eine soziale Verantwortung für unsere Gesellschaft, die Umwelt und die Menschen – es betrifft jeden einzelnen. #meinbeitragfürdiewelt

Gastartikel von Katja Holler

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