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„Auch wenn das Leben manchmal traurig ist, bin ich froh, froh dabei zu sein“

Bis ich diese Liedzeile von Philipp Poisels Song so ehrlich mitträllern konnte, wie ich es heute wieder tue- voller Lebensfreude und Lebensmut musste ich zuerst die bewegensten Monate meines bisherigen Lebens überstehen. Wie und wann genau die depressive Phase begonnen hat, lässt sich im Nachhinein nur erahnen. Einen speziellen Grund dafür und einen termingenauen Beginn gibt es ebenso wenig wie das eindeutige Ende einer solchen Phase.

Vorboten- in Form von Tinnitus, Schwindelanfällen, weder Hunger- noch Durstgefühl, immer wiederkehrende, grundlose Schmerzen an verschiedenen Körperstellen, Antriebslosigkeit sowie innere Leere- könnte ich zur Genüge auflisten. Diese Liste ist lang und verfehlt es nie, mich immer wieder zum Staunen zu bringen. Zudem die Tatsache, dass ich mich trotz all diesen Signalen, die mir sowohl mein Köper als auch meine Seele in Form von Gedanken gesendet haben, lieber weiter in mein Studium gestürzt habe, um dort Bestätigung und Erfüllung zu finden.

Ein Leben außerhalb der Uni gab es zwar, aber es stellt sich, rückblickend betrachtet, als ein sehr oberflächliches heraus. Man machte was Studenten eben so machen: man lernt seine neue Heimat kennen, man trifft sich mit Freunden, man geht feiern, trinkt und tanzt die Nächte durch, sitzt gemeinsam den üblen Kater am nächsten Tag aus, sitzt gemeinsam die Klausurenphase aus, sitzt stundenlang in der Bibliothek, trifft sich zum 100. Kaffee mit Kommilitonen, um sich sein Leid zu klagen, dass man diese Klausurenphase niemals überstehen würde und wie schrecklich so ein Studium doch eigentlich sei.

Und ja, ja- es ist verdammt schrecklich! Nur gibt das eben keiner offen zu. Denn es gibt wohl immer noch diese Leute, denen das Studium scheinbar lockerleicht fällt, sie nur so durch die Semester schweben, zusätzlich ein abenteuerliches, ausgeglichenes Freizeitleben führen und eines Tages schlussendlich das Standardbild auf jeglichen Social-Media-Kanälen posten: aufgebrezelt, großes Grinsen im Gesicht, die Abschlussarbeit in der Hand. Man klagt sich zwar während des Studiums ab und an sein Leid und ja, das gehört sich als Student halt so. Sitzen ja schließlich alle im selben Boot. Aber, dass dieses Boot manchmal großen Wellen ausgesetzt ist, die jeder individuell lernen muss zu reiten, dass jeder noch ein Leben außerhalb der Uniwände führt, darüber spricht keiner. Wie viel Ehrgeiz, schlaflose Nächte, Zweifel und Tränen hinter einer Abschlussarbeit, einer Abschlussprüfung stecken, offenbart auch kaum jemand. Am Ende bekommt man nur das perfekte Ergebnis zu sehen. Und genau in diesem Moment, in dem das Standardbild fürs Fotoalbum geschossen wird, ist ja auch wirklich alles super und man hat unzählige Gründe stolz zu sein.

Jedoch lässt sich unsere Gesellschaft von genau diesen perfekten Momentaufnahmen blenden.

Wir definieren uns fast ausschließlich darüber- jagen einem Idealbild von Student, Auszubildender, Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Mutter, Vater, Tochter, Sohn, Liebhaber hinterher, dem wir zwanghaft entsprechen wollen, statt unser aufrichtiges, wahres, verletzliches Ich zuzulassen und auszuleben. Dieses aufrichtige Ich wird durch festgefahrene Konventionen, Normen und Idealbilder, die einem bereits als Kleinkind vermittelt werden, so manipuliert, weshalb wir es lieber tief in uns schlummern lassen. Denn es könnte ja Angst machen, nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen und unbekannte Gefühle auslösen, wenn es zum Leben erweckt wird.

Wir leben in einer Welt, die an einem Mangel von Authentizität leidet.

Dieser Mangel kann durch kein Medikament, kein noch so perfekt ausgelebtes Idealbild behoben werden. Sondern nur dadurch, indem Du und ich und alle anderen auf diesem wunderschönen Planeten sich endlich auf die spannende Reise zu sich selbst begeben. Diese Reise sieht für jeden anders aus- Yoga, Meditation, Sabbatjahr, Coachings, Weltreise, Psychotherapie, den Mount Everest erklimmen, Bücher schreiben…

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten und jede Art von Reise ist genau so wie sie ist völlig in Ordnung. Während man sich auf die Reise begibt, ist Angst dein ständiger Begleiter. Nimm sie an die Hand und vertraue. Vertraue Dir selbst und darauf, dass es einen Plan für Dich gibt. Doch dieser Plan wird sich Dir nur eröffnen, wenn Du anfängst endlich authentisch zu leben, zu lieben.

Ich wünsche jedem, dass er den Mut findet sich auf seine ganz eigene Reise zu begeben.

Doch ich wünsche keinem, dass er zuerst durch eine Krankheit, sei sie nun physisch oder psychisch, wachgerüttelt werden muss. Denn dieses Erwachen ist sehr heftig, schmerzhaft und unbeschreiblich angsteinflößend. Kommt eurem Körper und eurer Seele zuvor, trickst sie aus, überrascht sie. Vor allem: trickst unsere strenge, festgefahren Gesellschaft aus. Wagt unbedingt den Blick in euer Herz. Beschäftigt euch einmal mit euch selbst, euren Ängsten, Träumen, Visionen. Teilt eure Erfahrungen und Erkenntnisse mit anderen, sodass auch sie sich auf die Reise begeben. Lasst euer authentisches Ich nicht zu lange schlummern- kaum auszumalen wie bereichernd und machtvoll es sein kann!

Auch wenn diese Reise nicht leicht fällt, seid immer „froh dabei zu sein“!

Gastartikel von Lisa Jortzik

Lisa, geboren 1994, aufgewachsen in der schönen Hegau-Bodensee-Region, in Freiburg Realschullehramt studiert, momentan lebe ich abwechselnd in der alten Heimat und Freiburg oder reise in meine zweite Heimat, mein Sehnsuchtsland Neuseeland. Das Reisen ist eine meiner großen Leidenschaften. Nach einer schweren Krise pausiere ich nun erst einmal vom Studentenleben und versuche meinen authentischen Weg zu finden und zu gehen.
Mit meinem Artikel, meiner Geschichte möchte ich Menschen zum Nachdenken anregen, Mut machen, sodass sich immer mehr Menschen auf die Reise in ihr Inneres begeben und es völlig in Ordnung ist deshalb einmal vom „normalen“ Leben zu pausieren, in sich zu gehen, nach Hilfe zu fragen. Krisen müssen unbedingt mit mehr Offenheit und Authentizität behandelt werden, denn auch gerade junge Leute durchleben schwierige Phasen, trauen sich jedoch oftmals nicht darüber zu sprechen.

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